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EMMA

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Kapitel I

Die Rückkehr

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Emma saß in der AUA-Maschine nach Wien. Business, natürlich. Der Lufthansa-Ableger bot auf dieser Strecke keine erste Klasse an. Auch die Businessclass war - gelinde gesagt - zweifelhaft, fand sie. Die Maschine gewann langsam an Höhe. Erleichtert löste sie den Gurt, als das Zeichen erlosch. Sie war froh, Sevilla endlich hinter sich zu lassen. Ein Saudi hatte sie einfliegen lassen. Angeblich wegen eines Kongresses.  In Wahrheit ging es um eine riesige Meerwasserentsalzungsanlage. Fast alle Anwesenden sprachen fließend Englisch; ihre Französischkenntnisse kamen nur einmal zum Einsatz, Italienisch kein einziges Mal.

Vermutlich hatte der Scheich sie nur eingeflogen, um mit ihr anzugeben - oder, wahrscheinlicher: um sie ins Bett zu bekommen. Er hatte ihr schon bei früheren Veranstaltungen Avancen gemacht.

Herrschsüchtig, kurzpimmelig. Nett in der Öffentlichkeit, übergriffig, sobald die Türen sich schlossen. Das Letzte, was sie gerade brauchte.

Die Maschine rumpelte, als sie bei Nizza vom Golf von Lyon aufs Festland wechselte. Ein Zeichen, dachte Emma. Für einen Moment befürchtete sie, sich wieder anschnallen zu müssen.

Der Pilot, vertraut mit Turbulenzen an Küstenlinien, war gnädig. Sie sah aus dem Fenster. Irgendwo unter ihr lag die Villa ihrer Mutter, genau genommen die von Carl.

Dort hatte alles begonnen.

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- 1 -

Das Miststück hatte sie eiskalt ausgeliefert. Ihre erste Demütigung, aber auch ihre erste Strategie. Emma lehnte sich zurück und bat die Stewardess um ein Glas Champagner. Gerade noch konnte sie Nizza erkennen, ehe sich das Flugzeug den Tessiner Alpen zuwandte. Lugano. Der nächste Abschnitt eines ohnehin schon aufregenden Lebens.

Damals, als ihre Mutter sie nach jenem verhängnisvollen Sommer hierher ins College abgeschoben hatte, war sie noch Jungfrau gewesen. Ein Umstand, den sie angesichts ihres Alters als peinlich empfand. Swen, der kurz vor ihrem neunzehnten Geburtstag ihre Mutter besuchte, sollte helfen, die Sache aus der Welt zu schaffen. 

Sie hatte sich zum ersten Mal richtig verliebt. Verliebt in Swen - diesen Macho. Sie hatte gehofft, er würde ihr Erster sein. Doch er hatte sie zurückgewiesen, behandelt wie ein Kind. Ein Fehler.

Als sie ihn in Wien zufällig wiedergetroffen hatte, dauerte es gerade mal fünf Wochen, bis sie ihn in die Knie gezwungen hatte. Jungfrau war sie da längst nicht mehr. Das hatte Marc erledigt.

Nach dem Desaster mit Swen hatte sie sich gefragt, wie so etwas überhaupt funktioniert. Um es herauszufinden, hatte sie sich aus der Küche eine Gurke stibitzt.

Schon die Vorbereitungen waren erregend gewesen. Sie hatte lange geduscht, sich gründlich gewaschen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie sich in ihrem Zimmer einschloss. Vorsorglich hatte sie das Gemüse eingeölt, bevor sie es zwischen ihre Beine führte.

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- 2 -

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In dem Moment, als sie ansetzte, war sie so aufgeladen, dass sie einfach zustieß. Der erste Schmerz brannte, das Einführen war unbeholfen, aber die Mischung aus Qual und Triumph war prägend.

Dieser Moment blieb ihr bis heute im Gedächtnis.

Die Maschine rumpelte neuerlich.

Tief unter ihr lag das Institut, in dem sie ihre erste lesbische Freundin kennengelernt hatte. Ricarda, klug, souverän. Sie war ihre kongeniale Partnerin geworden. In ihrer Nähe hatte sie gelernt, dass Begehren nicht immer nach Penetration roch. Mit Ricarda hatte sie später nicht nur die Gurke geteilt - sondern auch Marc.

Er war bloß die logische Folge - ein netter Idiot mit brauchbarem Schwanz. Später hatte sie Ricarda gebeten, mit ihm das Versäumte nachholen zu dürfen. Die war zwar wenig erfreut, sah aber ein, dass es notwendig war. Emmas eigentliche Entjungferung fand unter ihrer Aufsicht statt. Marc durfte nicht kommen. So lernte sie früh: Der Vorgang hatte nichts mit Romantik, aber alles mit Kontrolle zu tun.

Damals hatte sie in Lugano ihre Unschuld verloren, nicht an einen Mann, sondern an das Spiel mit der Macht.

Ricarda hatte ihr gezeigt, wie Kontrolle schmeckt und wie man sie sich nimmt.

Marc war nur das Werkzeug gewesen.

Heute war Emma kein Mädchen mehr, kein Projekt, kein Spielball. Heute war sie bereit, selbst zu spielen. Und sie wusste genau, mit wem. 

Swen hatte für sein Verhalten von damals büßen müssen. Sie war kein Opfer mehr, das man so einfach zurückweisen konnte. Aber auch kein Miststück wie ihre Mutter. 

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- 3 -

Aus den Lautsprechern tönte der Donauwalzer, als die Maschine zur Andockstation rollte. Anna hatte darauf bestanden, sie vom Flughafen abzuholen. Vermutlich würde sie Marc mitbringen. »Für die Koffer«, würde sie sagen. In Wirklichkeit hatte sie Gefallen an seinem riesigen Schwanz gefunden - Emma wusste das. Ihr war es gleichgültig.

Natürlich waren ihre Koffer wieder unter den letzten, die vom Förderband ausgespuckt wurden. Sie hatte sich schon tausendmal geschworen, das nächste Mal nur mit Handgepäck zu reisen. Aber das ging einfach nicht. Ein entsprechendes Outfit war unerlässlich für ihre Arbeit - und ließ sich nicht auf ein Minimum reduzieren.

Während sie noch wartete, sah sie Anna bereits durch die sich ständig öffnenden und schließenden Schiebetüren winken. »Wenigstens keine Zollkontrolle«, dachte sie, als ihre Koffer endlich, natürlich als letzte, herauskamen.

Marc hielt sich im Hintergrund, als sich die beiden Frauen um den Hals fielen.

»Es wird immer mühsamer mit den Idioten«, stöhnte Emma und küsste Anna auf den Mund.

Die zog sie kurz zur Seite, während Marc die Koffer verlud. »Du bist heißer als je zuvor«, flüsterte sie und biss sie spielerisch ins Ohr.

Emma lächelte, ließ die Hand beiläufig über Annas Oberschenkel gleiten. Der Rock war zu kurz, um Widerstand zu leisten. Nur ein Moment - ein kurzes Streichen über die glatte Haut.

»Später«, hauchte Anna.

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- 4 -

Doch die Erregung blieb, glimmte zwischen ihnen, kaum verdeckt vom Lärm der Ankunftshalle.

»Ich sag dir ja schon lange: Übernimm den Aufsichtsratsvorsitz hier in Wien. Carl wäre sofort einverstanden«, sagte Anna, als sie sich löste.

»Was soll ich noch alles gleichzeitig entscheiden?«, lachte Emma.

»Naja - die Sache mit Swen hat sich ja erledigt. Ich hätte nicht gedacht, dass du in drei Monaten aus einem der renommiertesten Anwälte der Stadt ein willenloses Objekt machst.«

»Erstens hat das Ganze eine Vorgeschichte. Und zweitens bin ich nicht sicher, ob mir das recht gewesen ist«, wehrte Emma ab.

Inzwischen hatte Marc Emmas Koffer auf einen Trolley gepackt. Als er Emmas Blick auffing, senkte er den Kopf, unsicher, ob er Annas Anweisungen zu bereitwillig gehorcht hatte. Vielleicht war Emma böse, weil er Anna geleckt hatte. Er konnte nicht wissen, dass alles abgesprochen war.

Emma war es völlig egal, dass Anna ihr Mitbringsel aus Lugano mitbenutzte. Bei Swen war sie sich nicht so sicher. Gut. Er hatte bekommen, was er verdient hatte. Hatte der Macho ernsthaft geglaubt, sie hätte vergessen, wie er sie damals hatte abblitzen lassen? Er war ihre erste - und einzige - Liebe gewesen. Und er hatte sie wie ein Kind behandelt. Dass sie jetzt die Dinge zurechtgerückt hatte, war nur recht und billig. Sein Pech, dass er ihr noch einmal über den Weg gelaufen war.

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- 5 -

Anfangs hatte es richtig Spaß gemacht, den kleinen Wichser in die Knie zu zwingen. Fast schade, dass es so leicht gewesen war. Einmal auf seinen Schwanz greifen, ein bisschen streng werden - und schon war er Wachs in ihren Händen. Sie hatte mehr Gegenwehr erwartet. Stattdessen war da etwas, das nicht in ihr Bild passte.

Emma erinnerte sich an Ricarda: »Eines solltest du beherzigen, mein Schatz: Wenn du jemanden in die Knie zwingst, schädige ihn nicht nachhaltig.« Jetzt hatte der Idiot sich selbst versperrt. Den Schlüssel hatte er gleich mit entsorgt. Das konnte nicht gutgehen. Es brauchte nur einen einzigen Termin vor Gericht und das Chaos wäre perfekt.

Emma schmunzelte. Allein der Gedanke war köstlich. »Tut mir leid, Herr Doktor, aber das muss ich mir genauer ansehen«, würde der Sicherheitsbeamte sagen. Lustig, ja. Aber so weit wollte sie es nicht treiben.

»Hast du schon entschieden, ob du Swen noch eine Chance gibst?«, riss Anna sie aus ihren Gedanken.

»Auf jeden Fall muss man den Idioten aus seinem selbst gewählten Gefängnis holen«, knurrte Emma.

»Ich finde es süß, dass er dich so umstimmen will«, meinte Anna.

»Mich belastet der Unsinn bloß«, entgegnete Emma unwirsch. »Du wirst das für mich erledigen müssen.«

Ein Lächeln umspielte Annas Mund. »Er wird Angst haben, dass du es ihm wieder vorhältst, wenn ich mit seinem Schwänzchen spiele.«

»Sag ihm, es ist mir egal. Er kann machen, was immer er will«, sagte Emma schneidend.

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»Schade«, sagte Anna. Als sie Emmas Blick auffing, erklärte sie: »Anlässlich des zehnten Oktobers - dem Gründungstag der Suffragetten 1903 in Manchester, gibt die Gräfin ihr traditionelles Fest in ihrem Jagdhaus. Wie dabei dort für Frauenrechte gekämpft wird, weißt du ja. Es würde dir gefallen. Uralt, abseitig gelegen - so richtig gruselig. Es ist immer der Höhepunkt des Jahres. Du hättest Swen mitnehmen können. Die Damen wären sicher begeistert, wenn sie dort deinem Macho auf den Schwanz greifen könnten. Außerdem: eine echte Challenge für ihn. Du weißt ja, wie gnadenlos die Weiber sein können.«

Emma dachte über den neuen Aspekt nach. Swen den Suffragetten auszuliefern, hatte seinen Reiz.

Aber irgendwie wurde ihr die Zeit knapp. Carl hatte sie gebeten, in Nizza nach dem Rechten zu sehen - eine Bitte, der sie sich nicht entziehen konnte. Immerhin kam er für ihr sorgenfreies Leben auf.

Dass ihre Mutter auf dem Anwesen saß wie eine Spinne in ihrem Netz, war eine andere Sache. Sie würde sie wie immer zuckersüß empfangen. Den Eklat, der zur aktuellen Situation geführt hatte, würde das Miststück mit keinem Wort erwähnen.

»Ich müsste ihn vorher noch besser konditionieren. Er ist es noch nicht gewohnt, dass ich ihn vorführe. In seinem jetzigen Zustand ist es zu riskant. Es könnte aus dem Ruder laufen. Außerdem muss ich für Carl nach Nizza. Du weißt, wie zuwider mir das ist. Ich nehme Nicol mit damit es erträglicher wird. Also habe ich die nächsten Tage einfach keine Zeit«, resümierte Emma.

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- 7 -

»Deine Mutter wird staunen, wenn sie deine kleine Asiatin sieht. Pass nur auf, dass sie ihr nicht an ihr Schwänzchen greift«, lachte Anna.

»Ich werde darauf achten, dass sie ihr nicht zu nahekommt«, sagte Emma. »Außerdem ist, wie du ja weißt, ist ihr Schwanz alles andere als klein«, fügte sie lächelnd hinzu.

»Also gut. Ich befreie den kleinen Wichser von seinem Käfig und über den Rest reden wir später«, fasste Anna zusammen.

»Mach das. Wenn er dann wieder gerade pinkeln kann - umso besser.«

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